Neue Notruf-App “Nora” holt Hilfe ohne Sprachanruf

Für Menschen mit Hör- oder Sprachschwierigkeiten kann es eine Herausforderung sein, im Notfall per Handy die Feuerwehr oder Polizei zu rufen. Die neue App “Nora” kann da helfen – made in NRW.

Wer im Notfall die 112 oder 110 rufen muss, ist ohnehin schon gefordert: Eventuell in Aufregung oder Panik gilt es, der Polizei oder Feuerwehr möglichst klare Informationen darüber zu geben, was passiert ist – und vor allem wo. Für Menschen, die schlecht oder gar nicht hören können, ist das noch viel schwerer. Betroffene sind häufig auf die Hilfe anderer angewiesen oder müssen gar ein Fax senden. Ab Dienstag soll die neue Notruf-App “Nora” in solchen Situationen helfen.

Sie ist ab sofort fast in allen Bundesländern verfügbar. Über die App soll ein Notruf auch mit nur geringen Sprachkenntnissen und ganz ohne zu sprechen absetzbar sein. Mit einfachen Symbolen und Texten und einer “intuitiven Nutzerführung”. Entwickelt wurde das Projekt in Köln, federführend betreut vom nordrhein-westfälischen Innenministerium.

App übermittelt Standort

Und so funktioniert “Nora”: Nach dem Download im App-Store muss man sich einmalig anmelden, mit Namen und Telefonnummer. In einem persönlichen Profil kann man auch Angaben zu Vorerkrankungen machen. Wird der Notruf gewählt, erkennt die App automatisch den Standort des Handys und übermittelt diesen mit einem Klick an die jeweilige Leitstelle. Damit wird dort Alarm ausgelöst. 

Danach stellt die App weitere Fragen, die helfen sollen, die Gefahrenlage einzuschätzen: Soll die Polizei oder die Feuerwehr alarmiert werden? Sind Menschen verletzt? Geht es um einen Einbruch oder einen Brand? Sind alle Fragen beantwortet, wird der Notruf abgesetzt. Wichtig ist: Auch ohne diese zusätzlichen Infos geht der Notruf raus.

Reul: “Mehr Selbstbestimmung”

Benutzen kann die App jeder. Das Angebot richte sich aber in erster Linie an Menschen, die aufgrund einer Hör- oder Sprachbehinderung schlecht am Telefon kommunizieren könnten, sagte NRW-Innenminister Herbert Reul bei der Vorstellung am Dienstag. Ihnen solle die App “ein großes Stück mehr Sicherheit und vor allem auch Selbstbestimmung” geben. 

Hilfreich sein könne sie aber auch für Menschen, die kein Deutsch können oder in einer Notlage, etwa nach einem Unfall oder einem Schlaganfall, nicht sprechen können.